2 - Zwei Sprachen, ein Klimabürgerrat

Show notes

In dieser Episode werfen wir einen Blick auf den Südtiroler Klimabürgerrat – ein Beteiligungsprozess, der im Rahmen des Klimaplans Südtirol 2040 ins Leben gerufen wurde.

Zwischen Januar und Juni 2024 kamen ausgeloste Bürgerinnen und Bürger zusammen, um zentrale Herausforderungen der ökologischen Transformation zu diskutieren und Empfehlungen für die Landespolitik zu erarbeiten. In einem Gebiet, das von Mehrsprachigkeit und kultureller Vielfalt geprägt ist, stellte der Klimabürgerrat ein wichtiges Experiment für Dialog, Inklusion und demokratische Repräsentation dar.

Wir beleuchten die Zusammensetzung des Bürgerrats, die Rolle der Moderation und Prozessbegleitung, die Herausforderungen der Beteiligung in einem mehrsprachigen Umfeld sowie die wichtigsten Stärken und Schwächen, die während des Prozesses sichtbar wurden.

Weiterführende Informationen

🌍 Klimaplan Südtirol 2040 https://www.klimaland.bz/de/klimaplan-suedtirol-2040/

🌍 Klimabürgerrat Südtirol https://nachhaltigkeit.provinz.bz.it/de/klimabuergerrat

📄 Klimaplan Südtirol 2040 (offizielles Dokument) https://umwelt.provinz.bz.it/de/energie-klima/klimaplan-suedtirol-2040

📚 KNOCA – Knowledge Network on Climate Assemblies https://www.knoca.eu/

Schon gewusst?

Der Klimabürgerrat wurde direkt im Klimaplan Südtirol 2040 als Instrument der Bürgerbeteiligung vorgesehen. Ziel war es, die Bevölkerung in die Umsetzung der Klimapolitik einzubeziehen und konkrete Empfehlungen in den Bereichen Energie, Mobilität, Wohnen, Produktion und Konsum sowie Landnutzung zu entwickeln.

In der nächsten Episode

🎙️ Versprochen und gehalten?

Wir gehen der Frage nach, was aus den Empfehlungen des Klimabürgerrats geworden ist, und analysieren die Rückmeldungen der Landesverwaltung zu den Vorschlägen der Bürgerinnen und Bürger.

Dieser Podcast wurde im Rahmen der Öffentlichkeits- und Wissenstransferaktivitäten des Projekts „Legal Tools for Democracies in the Climate Crisis: A Proposal for a Planetary Contract (4PLANET)“ realisiert, das von der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol gefördert wird.

Show transcript

00:00:18: Willkommen zu Klima und Partizipation, dem Podcast der euch in die Geschichten, Herausforderungen und Ideen des Klimabürgerats in Südtirol mitnimmt.

00:00:41: Die Inhalte dieses Podcasts stammen von Francesca Rosignali, Senior Researcher bei eurer CREESURGE.

00:00:48: Sie hat die Folgen in italienischer Sprache aufgenommen und ich Sarah Berntaler darf euch in der deutschen Version als Stimme durch die Reihe begleiten.

00:01:09: in dem Menschen verschiedener Sprachen, Altersgruppen und Hintergründe zusammenkommen um gemeinsam über die Zukunft des Landes zu diskutieren.

00:01:17: Genau das passiert bei Bürgerräten!

00:01:19: Beim Klimabürgerat in Südtirol hat die spezielle sprachliche Situation, die Art und Weise verändert wie Beteiligung und Repräsentation gestaltet werden.

00:01:29: In dieser Folge werden wir beleuchten welche Chancen und welche Schwierigkeiten dieser Bürgerrat mit sich brachte und wie versucht wurde Lösungen zu finden um dem Anspruch gerecht zu werden dass der Rat wirklich inklusiv und repräsentativ ist.

00:01:42: Seid ihr bereit, in das Herzstück des Bürgerrats einzudauchen und zu entdecken wie Partizipationen in einem so einzigartigen Kontext wie Südtirol gelingt?

00:01:50: Dann legen wir los!

00:01:56: Willkommen zur zweiten Folge von Klima- und Partizepation.

00:01:59: Ergebnisse und Perspektiven des Klimabürgerats in Südturol.

00:02:03: In der letzten Folge habe ich erklärt was ein Klimapürgerat ist und einige internationale Nationale und lokale Beispiele vorgestellt.

00:02:12: Heute möchte ich direkt in das Herzstück des Forschungsprojekts eintauchen und euch erzählen, wie die Erfahrung in Südtirol verlaufen ist.

00:02:20: Welche Herausforderungen es gab und wie sie gelöst wurden?

00:02:23: In der letzten Folge haben wir gehört dass es bereits Klimapurgeräte in Bologna, Mailand, Florence-Baumont drehend gab.

00:02:30: Doch was macht die Südtiraler Erfahrung im Vergleich zu anderen Klimapurgeräten in Italien so einzigartig?

00:02:40: Was den Klimapürgerat in Südtirol so besonders macht ist der mehrsprachige Kontext, in dem er stattgefunden hat.

00:02:47: Südtirol hat drei offizielle Landessprachen Deutsch, Italienisch und Ladinisch – damit stellte sich von Beginn an die grundlegende organisatorische Frage, in welcher Sprache oder in welchen Sprachen soll der Bürgerrat stattfinden?

00:03:00: Die Organisierenden haben sich dazu entschieden auf simultane Übersetzungen zu verzichten.

00:03:05: Dies hätte nicht nur hohe Kosten bereitet sondern auch den natürlichen Gesprächsfluss unterbrochen.

00:03:11: Stattdessen wurde beschlossen, den Bürgerer zwei Sprache auf italienisch und deutsch abzuhalten.

00:03:16: Und Personen auszuwählen die sehr gute Kenntnisse in einer der beiden Sprachen – und zugleich ein gutes passives Verständnis, da jeweils anderen Sprache hatten.

00:03:29: Diese Entscheidung hatte natürlich Konsequenzen.

00:03:31: Die erste war ein vermehrter Ausstieg italienischer Teilnehmerinnen, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichend waren um komplexe Themen wie jene der Umweltpolitik vollständig zu verstehen.

00:03:43: Mehrere der von mir intervierten Personen berichteten zum Beispiel von einer Teilnehmerin, die die Versammlung schließlich verlassen musste weil sie bestimmte technische Inhalte auf Deutsch nicht nachvollziehen konnte.

00:03:55: Die zweite Schwierigkeit bestand darin, Personen mit Migrationshintergrund zu finden, die beide Sprachen ausreichend beherrschten.

00:04:02: Dieses Thema habe ich lange mit den Organisierenden besprochen und viele sagten mir, dass entsprechende Personen zwar eingeladen worden seien, das sie dann aber trotz Zusage nicht erschienen seien.

00:04:13: Dies führte zu einer Unterrepräsentation dieser beiden Gruppen und schwächte somit die gesamtgesellschaftliche Repräsentativität des Bürgerrates.

00:04:37: Ein weiterer Respekt der unsere Erfahrung von anderen unterscheidet ist das Nicht nur gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger eingeladen wurden, sondern auch VertreterInnen der organisierten Zivilgesellschaft.

00:04:48: Von Anfang an haben die Organisierenden die Versammlung nämlich in zwei Hauptgremien unterteilt – den Bürgerrat und das Stakeholderforum.

00:04:57: Der Bürgerrat bestand aus sechsundfünfzig zufällig ausgewählten Bürgerinnen- und Bürgern darunter auch sechs Personen im Alter zwischen sechzehn und achtzehn Jahren.

00:05:06: Das Stakeholdersforum hingegen setzte sich aus fünfundsebzig Delegierten zusammen die Gewerkschaften, den Sozialbereich, die Wirtschaft, den Umweltsektor und die Kultur vertreten.

00:05:21: Stellt euch einen Saal im Neuteckpark vor!

00:05:24: Nutzende von Menschen, einige begeistert, andere skeptisch – alles sind zusammengekommen um über die Zukunft des Klimas in Südtirol zu diskutieren.

00:05:33: Einige machten sich Notizen, andere hörten stillzu und wieder andere beteiligten sich an lebhaften Debatten.

00:05:39: Genau dort nahm der Klimaburgerat Gestalt an.

00:05:43: Eine große Herausforderung war es, Konflikte zwischen den verschiedenen Stakeholders zu moderieren.

00:05:48: Insbesondere die bereits tief verwurzelten Spannungen zwischen Wirtschaft und Gewerkschaften.

00:05:54: In diesem Zusammenhang spielten die Moderierenden eine Schlüsselrolle.

00:05:58: Mit ihrer professionellen Begleitung gelang es einen Großteil der Konflikte noch während des Forums zu lösen.

00:06:05: Beide Gremien sollten sich mit dieser zentralen Frage beschäftigen.

00:06:09: Was muss getan werden, um die Ziele des Klimaplans zu erreichen und die notwendigen Maßnahmen umzusetzen?

00:06:15: Mit anderen Worten waren beide Gremien damit beauftragt, politische Empfehlungen zu formulieren, um den Klimaplan zu verbessern.

00:06:23: Ein strategisches Dokument der Provinz das darauf abzielt, die CO-Zwei Emissionen zu senken und Südtirol bis zum Jahr zwei Tausend Vierzehnte klimaneutral zu machen.

00:06:35: Ihr könnt euch den Klimaan wie eine Landkarte vorstellen – die Provinzen möchte Ihnen in einer Art Google Maps verwandeln!

00:06:41: mit detaillierten, maßgeschneiderten Wegbeschreibungen für alle die sich in den zahlreichen Strategien zur Reduktion von CO₂-Emissionen orientieren möchten.

00:06:51: Um dieses Ziel zu erreichen traf sich der Bürgerrat fünfmal und das Stakeholder Forum sechsmal um die verschiedenen Vorschläge zu diskutieren und einen Abschlussbericht für die Landesverwaltung zu erstellen.

00:07:03: Die Bürgerinnen trafen sich sechs Monate lang vom Januar bis Juni.

00:07:09: Viele werden sich fragen, dass alles ohne Bezahlung?

00:07:13: Ja unentgeltlich.

00:07:15: Die Teilnehmenden erhielten jedoch ein Jahr lang den Sytiol-Bass kostenlos – eine Karte die Ermäßigungen für öffentliche Verkehrsmittel bietet.

00:07:23: Und nun zur nächsten Frage Wie ist das Ganze genau abgelaufen?

00:07:27: Was hat gut funktioniert und was ließ es sich verbessern?

00:07:34: Um diese Frage zu beantworten habe ich direkt mit Personen gesprochen, die an der Initiative teilgenommen haben.

00:07:40: Ich habe versucht mit Bürgerinnen und Bürgern, den beteiligten ExpertInnen, den Organisierenden, Mitgliedern des Stakeholder-Forums sowie den Moderierenden in Kontakt zu treten.

00:07:50: Am Ende haben mir dreizehn Personen geantwortet – aus ihren Schilderungen – ich kann hieraus Datenschutzgründen keine Namen nennen oder zu sehr ins Detail gehen – ging hervor, dass die Moderation der Treffen am meisten geschätzt wurde.

00:08:17: Dank der Moderierende war es möglich Konflikte zu lösen allen die beste Möglichkeit zur Teilnahme zu geben und auch die schüchternsten und zurückhaltendsten Personen einzubeziehen.

00:08:28: Und Ungleichgewichte zu vermeiden, also Situationen in denen einige zu lange redeten oder ihre Meinung der Gruppe aufzwingen wollten.

00:08:36: Mehrere Personen erzählten mir dass gerade die Einbindung da eher zurückhaltenden Teilnehmenden besonders wichtig gewesen sei und ehrlich gesagt Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr mit völlig fremden Menschen über Klima- und Politikempfehlungen diskutieren müsstet?

00:08:51: Genau deshalb war die Moderation absolut unverzichtbar.

00:08:58: Ein weiterer sehr geschätzter Punkt war die logistische Organisation der Treffen.

00:09:02: Es wurden immer Orte ausgewählt, die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar waren Und genügend Platz für viele Menschenboten.

00:09:10: Für viele war es auch bereichernd, mal mit Personen in Kontakt zu treten.

00:09:14: Mit denen sie im Alltag nie ins Gespräch gekommen wären – nicht nur wegen der Sprache sondern auch aufgrund sehr unterschiedlicher sozialer und geografischer Hintergründe.

00:09:23: Wer in Südturo lebt, der weiß gut wie unterschiedlich die Kontexte zwischen den Tälern im Vergleich zu den Städten sein können.

00:09:39: Verbesserungspotenzial zeigte sich hingegen bei der Repräsentativität des Bürgerrats und auch darin, wie er der restlichen Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde.

00:09:48: Was die Repräsentativität betrifft ist klar das viele Gruppen unterrepräsentiert waren italienischsprachige Personen Menschen mit Migrationshintergrund Menschen mit Behinderungen Angehörige der LGBTQIA Plus Community sowie Jugendliche zwischen sechzehnundachtzehn Jahren die zwar im Bürgerrat vertreten waren, jedoch nur in einer sehr geringen Zahl – obwohl sie zu denjenigen gehören, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sein werden.

00:10:18: Ein junger Teilnehmer sagte mir, dass er sich in vielen Situationen stark in der Minderheit gefühlt habe und sich viel mehr Menschen seines Alters gewünscht hätte.

00:10:27: Und der zweite Punkt, der betrifft die Kommunikation des Bürgerrats an die Öffentlichkeit sowohl in Bezug auf die mediale Wirkung als auch auf die politische.

00:10:35: Zur Medienwirkung fiel mir bei den Interviews etwas besonders auf.

00:10:41: Fast alle gaben zu, dass trotz der großen Bemühungen der Organisierenden die Kommunikation nach außen nicht ausreichend war.

00:10:49: Viele Menschen wissen immer noch überhaupt gar nicht das es dieses Instrument gibt und zudem konzentrierte sich die Kommunikanion überwiegend auf dem Prozess und viel zu wenig auf die Wirkung also auch das was für Außenstehende Bürgerinnen und Bürger wahrscheinlich am interessantesten wäre.

00:11:15: Aus den Interviews ergab sich auch, dass die Berichterstattung in den deutschsprachigen Medien deutlich effektiver war als in den italienisch-sprachigern – das ist auch einer der Gründe, warum ich mich dazu entschieden habe diesen Podcast auf Italienisch zu machen!

00:11:28: Ich möchte damit das italienische Sprachgebublikum, auch über Südhol hinaus stärker an ein innovatives Thema wie den Klimapurgerat heranführen.

00:11:52: Abschließend lässt sich sagen, dass die Südtiroler-Erfahrung uns eine wichtige Lektion erteilt.

00:11:57: Partizipation ist nie einfach – besonders in einem Gebiet das von verschiedenen Sprachen, Geschichten und Identitäten geprägt ist.

00:12:05: Doch gerade in diesen Unterschieden liegt die Stärke eines Bürgerrats.

00:12:10: Wenn Menschen unterschiedlichen Alters mit verschiedener kultureller Herkunft oder Erzsprachen am selben Tisch sitzen entstehen neue Ideen und Lösungen, die niemand allein hätte entwickeln können!

00:12:21: Die eigentliche Herausforderung besteht darin, dies in Reichtum für alle zugänglich und repräsentativ zu machen.

00:12:29: Und vielleicht seit beim nächsten Mal ja genau ihr diejenigen, die ihre Stimme in einem solchen Prozess einbringen?

00:12:50: Der Einfluss des Klimabürgerats hingegen ist eines Beck der sich eine eigene Folge verdient.

00:12:56: Ich kann euch bereits jetzt verraten, dass die beiden Gremien der Bürgerrat und das Stakeholder Forum ganze sixhundertneun politische Empfehlungen erarbeitet haben.

00:13:05: Die Landesverwaltung hat versprochen ein ausführliches untransparentes Feedback zu geben – und jede Entscheidung genau zu begründen.

00:13:13: Warum wurde diese Empfehlung ausgewählt?

00:13:15: Und jene nicht!

00:13:16: Und nach welchen Kriterien?

00:13:18: Und bis wann sollten die angenommenen Vorschläge umgesetzt

00:13:21: werden?!

00:13:22: Das sind nur einige der Fragen, die sich viele Bürgerinnen und Bürger nach Abschluss dieses Prozesses gestellt haben.

00:13:32: Doch hat die Landesverwaltung tatsächlich reagiert?

00:13:36: Und hat sie ihr Versprechen eingehalten?

00:13:40: Über all das sprechen wir in der nächsten Folge!

00:13:42: Und wenn euch bereits diese Folge gefallen hat, dailt sie gern auf eurem Social-Media-Plattformen.

00:13:47: Bis zum nächsten Mal.

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